Vermögen prognosefrei managen

 

Kleine Einbrüche machen Sie stärker – kennen Sie Hormesis?

von | 11. Mai 2018

Haben Sie jemals von Hormesis gehört, oder von Antifragilität? Beides hat mit dem Bewältigen von Krisen zu tun, und einer kleinen Dosis Gift, die vielleicht gegen eine echte Vergiftung immunisiert und den Organismus sogar stärkt. Wünschen wir uns das nicht gegen Finanzmarktkrisen? Stattdessen optimieren wir immer weiter, sind voll investiert und steuern in die Krise hinein. Am Ende vernichtet eine Finanzmarktkrise mehr Werte, als durch aktive Strategien zuvor generiert wurden. Bestimmte alternative Investments wie CTAs können immuner machen und gehören langfristig in jedes Portfolio. Die Strategien zapfen Renditequellen an, die kein Markt-Beta angreifen kann. Aber lesen Sie selbst!

Eine kleine Dosis Gift, regelmäßig verabreicht, macht immun und stärkt den Organismus. Dieses Phänomen beschrieb schon der berühmte griechische Arzt Paracelsus in der Antike. Mediziner und Mathematiker nennen es “Hormesis”. Mathematiker haben auch auf die konvexe Nutzenfunktion hingewiesen, die sich daraus ergibt.

In der linear und von rationalen Entscheidungsmodellen geprägten Investmentbranche ist der Effekt jedoch noch weitgehend unbekannt. Als einer der Wenigen hat der Krisen-Experte Nassim Taleb die Hormesis beschrieben, die er selbst am eigenen Körper einsetzt und gleichzeitig auch dem Wirtschaftskreislauf empfiehlt. In seinem 2013 veröffentlichten Philosophie-Buch spricht er von der Fähigkeit der Bewältigung von Krisen (auch Kapitalmarktkrisen) durch das Konzept der “Antifragilität”. Antifragil aufgestellt gehen Akteure gestärkt aus einer Krise hervor. Maßnahmen, die nur zur Abmilderung der Krise führen nennt er „robust“.

Quelle: eigene Visualisierung amandea Vermögensverwaltung AG

Das Konzept der Antifragilität ist einleuchtend und wünschenswert – allerdings ist die Umsetzung in der Investment-Welt eine große Herausforderung. Wie entkommt man als Anlagemanager in Krisensituationen dem Markt-Beta? Und zu welchem Preis?

Herkömmliche Fonds-Konzepte sind auf die Optimierung außerhalb von Krisenzeiten ausgelegt. Aus dem Risiko-Rendite-Profil der Komponenten entsteht ein Portfolio, das dann mit Backtests entsprechend optimiert wird. Das Vorgehen bei der Fondsauswahl ist ebenso offensichtlich: Die besten Fonds anhand von Sharpe Ratio und Fondsrating kommen ins Portfolio – basierend auf Vergangenheitsdaten. In den seltensten Fällen besteht jedoch die Möglichkeit, das Verhalten des Portfolios in einer kapitalen Krise zu simulieren. Man kann zwar Stresstests beispielsweise mit der Value at Risk-Methode anwenden und auswerten, um Risiken auszumerzen, aber das Ergebnis kann immer nur ein (Chancen- und Risiko-armes) robustes Portfolio sein.

Derartige hochoptimierte Modelle auf Basis von Vergangenheitsdaten können nicht in allen Marktphasen funktionieren  – besonders dann nicht, wenn die Optimierung aufgrund von Finanzdaten  und nur mit statistischen Korrelationen erfolgt, wenn der Fondsmanager also die Portfolio-Bewegungen nicht mehr kausal erklären kann.

Die Lösung liegt also woanders. Wie würden Ihnen dieses Verhalten einer Anlage in Ihrem langfristigen Portfolio gefallen?

Quelle: Morningstar Direct

Es handelt sich um die Rendite-Darstellung einer unserer Fonds, des amandea – ALTRUID HYBRID. Natürlich sorgen die so genannten Drawdowns, dargestellt in gelb, für schlechte Laune. Dagegen wurden die kapitalen Finanz-Einbrüche in 2011, 2015 und vor Kurzem gut abgefedert. Das Portfolio hat sich nicht nur erholt, sondern ist in der Krise stärker und wertvoller geworden. Offenbar verläuft die Renditeentwicklung nach dem Schema der Hormesis: Kleine Dosen Gift, aber immun gegen den großen Krach.

Wie das möglich ist? Es gibt Investmentansätze, die Renditen aus ganz anderen Quellen beziehen als einer Partizipation an den großen Aktien oder Anleihemärkten und daher auf jedwede Prognose verzichten können. Das Beta spielt kaum eine Rolle. Diese Ansätze tragen nicht umsonst den Titel “Alternativ”.

Renditen werden erzeugt durch das Ausnutzen von Ineffizienzen der Märkte, während der Akteur selbst nicht voll investiert ist. Das funktioniert immer dann, wenn es viele Ineffizienzen gibt, also in Zeiten großer Verunsicherung. Eine der Spielarten ist der so genannte CTA, ein Handelsansatz mit börsennotierten Derivaten, der breit in die globalen Finanz-Märkten mittels Futures investiert. Es gibt dort keinen fundamentalen Zusammenhang der Renditen mit dem langfristigen Wachstum einer bestimmten Ökonomie, der Handel ist reiner Selbstzweck. Je mehr Märkte zu vertretbaren Kosten abgedeckt werden können, desto besser. Der Handelsansatz wird meist stark automatisiert mittels immer wieder angepasster Algorithmen umgesetzt.

Solche CTAs schaffen es regelmäßig, sich in schlechten Phasen vom Gesamtmarkt zu lösen. amandea hat zusammen mit einem renommierten Fondsmanager einen Publikumsfonds auf eine CTA-Strategie gestartet, der hier als Beispiel dient. In der Grafik wird dargestellt, wie die Renditen aus Fonds (amandea – ALTRUID HYBRID), der Vergleichsgruppe (SG CTA-Index) und dem Gesamtmarkt (S&P500) statistisch zusammenhängen, also korrelieren.

Quelle: Morningstar Direct

Ein Bauch nach unten bedeutet, dass sich die Fonds- bzw. Indexrenditen gegenläufig zu den Renditen des Gesamtmarktes entwickeln (also negativ auf der Skala). Das ist speziell in Abwärtsphasen wie 2008 und 2016 sehr wünschenswert.

Wird so ein Handelsansatz in ein konventionelles Portfolio als längerfristige Position eingebettet, lassen sich kleinere Giftstösse in Form von Drawdowns doch gut verkraften!

Teilen Sie den Artikel…

…wenn er Ihnen gefällt in Ihren sozialen Medien (DSGVO-konform via Shariff).

Newsletter

Themen rund um alternative Anlageklassen, sogenannte Liquid Alternatives, und insbesondere Managed Futures behandeln wir hier in diesem monatlichen Newsletter.







Sie erhalten eine Mail zur Bestätigung Ihrer Anmeldung. Wir verweisen auf unsere Datenschutzerklärung am Ende des Beitrags.


Über den Autor

Frank Seidel ist Vorstand und einer der Gründer der amandea Vermögensverwaltung AG. Er ist verantwortlich für den Bereich Portfoliomanagement, Alternative Investments und interne Prozesse.

Gemeinsam mit dem Co-Manager Altruid Systems verantwortet er den UCITS-Fonds amandea – ALTRUID HYBRID.

 

Dieses Bild ist urheberrechtlich geschützt.